Schwebende Steine, Salzseen und Abschied

Auf meinem Weg zum Flughafen lasse ich es ruhig angehen. Mein Flug geht erst um 16:20 und der Flughafen liegt nur wenige Kilometer entfernt auf der anderen Seite von Larnaca.

Irgendwie ist es doch schade, dass ich heute schon wieder abreisen muss. Morgen Abend werde ich mich wieder auf der Autobahn auf dem Weg von Hamburg nach Paderborn befinden und in zwei Tagen um diese Zeit werde ich wieder im Büro sitzen. Gerade, wo das Wetter zwar kaum wärmer geworden ist, aber trotzdem ein herrlicher Sonnenschein herrscht.
Der Winter ist mit extrem kalter Luft auf Zypern eingetroffen. Kaum zu glauben, dass ich bei meinem Aufenthalt vor zwei Wochen in der hiesigen Jugendherberge wegen der Hitze nachts die Fenster geöffnet habe. Inzwischen bin ich froh, wenn irgendwo eine Heizung zu finden ist, oder ich in trockene, wärmende Kleidung eingepackt bin.


Promenade von Larnaca: Hier fährt man seine Potenz spazieren...

Nachdem ich in Larnaca noch etwas gegessen und ein wenig in meinem Reiseführer geschmökert habe, geht es weiter zum Airport. Da ich noch mehrere Stunden Zeit habe, setze ich meinen Weg direkt über den Strand südlich von Larnaca fort, bis ich auf einen quer über den Strand gezogenen Stacheldrahtzaun treffe. Ich befinde mich mitten in der Anflugsschneise vom Flughafen, von wo aus ich die Flugzeuge beobachten kann.
Kaum eine Minute später hält auf der anderen Seite vom Zaun ein "Follow-Me"-Fahrzeug. Der Fahrer beobachtet mich misstrauisch, bis ich das Feld räume...

Über den zur Hälfte ausgetrockneten Salzsee fahre ich zur dahinter gelegenen Moschee Hala Sultan Tekke; dem wichtigsten muslimischen Heiligtum Zyperns. Ironischerweise befindet es sich nahezu direkt neben dem touristischen Einfallstor in das griechische Südzypern: Dem Flughafen.
Ein wirklich Südamerikanisches "Salar de Uyuni-Gefühl" kommt bei der Überquerung des noch nassen und weichen Salzes in dieser kleinen Senke natürlich nicht auf. Aber immerhin eine kleine Improvisation, um an große Erlebnisse in Südamerika anzuknüpfen... Hier wurde von der Antike bis vor etwa 10 Jahren noch Salz abgebaut.
Laut Legende hatte der heilige Lazarus diesen See, früher einen üppiger Weinberg, per Fluch zu einem unwirtlichen Salzsee verkommen lassen. Und das auch nur, weil ihm die Besitzerin des Weinberges den Zugang zu den Trauben verwehrt hat. Dass manche Heilige aber immer auch gleich so ausfallend werden müssen...
Die Flamingos freut's.
Inzwischen ist der See ein Naturschutzgebiet.

Am Eingang der Moschee wartet einsam und verlassen ein Verkäufer türkischer Knabbereien auf Kundschaft. "Hello Mister. Welcome."
Die großzügig renovierte Moschee mit den dazugehörigen Gebäuden wird heute kaum besucht. Der Imam führt zwei weitere Touristen durch die Räume, sonst herrscht Stille. Er zeigt ihnen natürlich das Herzstück der Moschee: In einem dunklen Raum liegen, von Tüchern, verhängt drei Steinquader. Der auf den beiden anderen Quadern als "Brücke" liegende Steinquader soll nach dem Tod der heiligen Tante des Propheten Mohamets im 7 Jahrhundert selbstständig von Palästina über das Meer hierher geschwommen sein. Irgendwann hat man sich dann gedacht, dass man unter den in der Luft schwebenden Quader doch lieber zwei stützende Quader unterschieben sollte. Sicher ist sicher...


Hala Sultan Tekke

Nachdem das Touristenpärchen die Moschee verlassen hat, ohne eine Spende zurückzulassen, sitzt der Imam mit geknicktem Kopf in einer Ecke. Ich sage nur kurz "Not many tourists here now, eh?". Er lässt den Kopf weiter hängen und nuschelt etwas Unverständliches, was wie ein leises "go away" klingt. Ob es ihm so nahe geht, dass er alleine in diese Moschee die Stellung halten muss und kaum jemand etwas spenden möchte? Irgendwie erinnert er mich ein wenig an Hassan...

Von der Welt der Legenden muss ich nun erst einmal zurück in die Realität. Mein Flug geht in zwei Stunden.
Wehmütig fahre ich die letzten Meter auf der linken Seite im Straßenverkehr. Irgendwie habe ich mich doch das Linksfahren gewöhnt und möchte kaum wieder zurück in alte Gewohnheiten.
Wie es denn so ist, gestaltet sich das Einchecken mit einem Fahrrad gar nicht so einfach:

  • An der längsten Schlange im Flughafen anstehen (welche gewohnheitsgemäß immer die richtige ist...)
  • Das Fahrrad und Gepäck präparieren.
  • Nach einem kritischen Blick der Angestellten die Unmengen von Radtaschen auf das Gepäckwand wuchten.
  • Nachdem es sich die Angestellte wieder anders überlegt hat, das Gepäck wieder vom Band wuchten.
  • Das Gepäck zusammen mit dem Fahrrad beim Sperrgepäckschalter abgeben, wo man erfährt, dass man für das Fahrrad noch bezahlen muss...
  • Durch verschlungene Korridore im hinteren Bereich des Flughafens laufen, um das richtige Büro zu finden.
  • Mit dem Papierschnipsel, der eine Quittung sein soll, zum Gepäckband gehen.
  • Sich an der Riesenschlange vordrängeln, um endlich die Boarding-Tickets ausgehändigt zu bekommen.
  • Dann doch noch Ewigkeiten auf die Tickets warten, während die hinter mir stehenden Passagiere mich mit Steinen beschmeißen möchten...
  • Die Filme vor den X-Ray-Geräten des Zolls bewahren...
  • Sich in einem bis zum Bersten gefüllten Bus zum riesigen Flugzeug weit draußen auf dem Vorfeld fahren lassen.
  • Die Augen vom Fenster abwenden, um nicht mit ansehen zu müssen, wie die Gepäck-Gorillas mein Fahrrad durch die Gegend schmeißen (was dieses Mal gar nicht so schwer fällt, da mein "Fensterplatz" kein Fenster hat...)
Und dann wundere ich mich immer wieder, dass ich nach einem Check-In so ausgelaugt bin...

Dann kommt das Flugzeug kommt langsam ins Rollen, drückt die Passagiere in die Sitzlehnen und hebt ab.
Noch ein letzter sehnsüchtiger Blick auf die verschneit im Sonnenuntergang liegenden Berge des Troódos... Ob ich wieder komme? Wir werden sehen...

THE END - son - Τέλος

Tag 14:
Larnaca - Heimflug nach Hamburg


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