"You are dead!"

Am Morgen hüpfen wir wieder ins Auto, holen die Mädels in ihrem Hotel ab, und machen zusammen eine Rundfahrt um den Südteil der Insel. Wir möchten die verbleibende Zeit, die wir den Mietwagen noch haben, gut nutzen. Auf diesem Wege können wir die Südroute auch schon mal im Voraus erkunden, bevor wir sie unter die (Fahr)Räder nehmen.

Der Südteil der Insel ist extrem gebirgig und größtenteils von Urwald überwachsen. Die Landschaft erinnert mit seinen Palmen, hohen Gräsern und Farnen zweifelsohne an Jurassic Park. Endlich sehen wir auch ein wenig von dem, was von der guamesischen Kultur übrig geblieben ist. Wir fahren durch kleine Dörfer, wie Merizo, Umatac und Inarajan. Hier geht das Leben noch einen ruhigen Gang. In den Gärten stehen Kokospalmen und am Straßenrand werden Bananen verkauft



Über der Bucht von Umatac stehen noch Reste des spanischen Fort Soledad - "Fort der Einsamkeit". Außer einem kleinen Aussichtsturm, von wo aus man einen grandiosen Ausblick auf die Bucht und die Steilküste hat, und seinen liebevoll restaurierten Kanonen, ist nicht mehr viel vorhanden.
Nachdem wir im Dorf Merizo eine kleine Pause eingelegt haben, biegen wir nördlich in Inarajan auf eine kleine Nebenstraße ab, die uns direkt in das Inselinnere führt: Zu den Talofofo Falls. Bei 12 Dollar Eintritt verzichte ich allerdings gerne, während sich die anderen mit der Seilbahn die kurze Strecke zu den Falls gondeln lassen.





Yokoi Shoichi
Yokoi Shoichi war ein Feldwebel der Armee des Japanischen Kaiserreichs, den die Nachricht von der Kapitulation Japans im Dschungel von Guam nicht erreichte. Als die Truppen unter General Douglas MacArthur die Insel erreichten, zog er sich mit 9 Kameraden in die Wildnis zurück, von denen aber nur zwei, und Yokoi selbst, überlebten. Eine Zeit lang lebten sie zusammen in einer winzigen Höhle bei den Talofofo Falls. Von Flugblättern wussten sie zwar bereits seit 1952, dass der Krieg vorüber war, hielten es aber für bösartige Propaganda des Feindes. Als die anderen beiden Kameraden acht Jahre vor Yokois Entdeckung starben, ließen sie ihn allein in der Wildnis zurück.
Seine Entdeckung im Jahre 1972 führte zu großem Medienaufsehen.


Die Höhle von Yokoi Shoichi

Er kommentierte seine Rückkehr mit den Worten: "Es ist mir sehr peinlich, aber ich habe überlebt und bin heimgekehrt." Dieser Ausspruch ist mittlerweile zum scherzhaften Spruch geworden, den Japaner verwenden, wenn sie von einer Auslandsreise zurückkehren.
Nachdem er von den Titelseiten wieder verschwunden war, heiratete er und zog sich in der Präfektur Aichi aufs Land zurück. Im Jahr 1991 erhielt er eine Audienz beim Kaiser Akihito. Dies empfand er als größte Ehrung seines Lebens.

Wer mehr über die Überlebensweise von Yokoi Shoichi erfahren möchte, findet unter diesem Link weitere Informationen:


Kurz vor der Rückgabe tanken wir den Mietwagen noch einmal voll. Gerade heute steuert der Hurrikan Kathrina auf die Küste bei New Orleans zu. Im einzigen Nachrichtensender auf Guam, den sehr patriotischen Fox-News läuft andauernd die "Hurricane Watch". Im Fernsehen steht ein Reporter vor einem nicht verbarrikadierten Haus und erzählt, dass es den Sturm vielleicht nicht überstehen wird. Mehr Sensationen gibt es nicht. Da der Hurrikan über den für die US-Ölförderung extrem wichtigen Golf von Mexiko zieht, ist der Benzinpreis in "unverschämte" Höhen getrieben worden, wie man uns warnt. Und zwar auf sage und schreibe 2,85 Dollar. Allerdings entspricht die Maßeinheit der Gallone knapp 4 Litern. Wie "unverschämt"...

Wir fahren mit den Rädern zur Guam Tropical Dive Station, um unseren Auffrischungs-Tauchkurs in Anspruch zu nehmen. Pete nimmt uns mit ins "Klassenzimmer", wo wir ein wenig Theorie eingetrichtert bekommen. Natürlich zieht er über unsere vorherigen Tauchschulen her, weil die hier und da wichtige Inhalte vergessen haben sollen. Irgendwie scheint das jeder zu machen. Es ist schon erstaunlich, was man nach einem Jahr wieder alles vergisst...
Danach suchen wir uns passende Ausrüstung aus, laden sie auf den Pick-Up und fahren zum Fisheye Park, von wo wir vom Strand aus ins Wasser gehen. Der Fisheye Park ist ein langer Steg, an dessen Ende eine ausgehöhlte Säule im Wasser steht. In ihrem Inneren laufen einige Touristen herum und betrachten die Unterwasserwelt von einem trockenen Plätzchen aus durch kleine Bullaugen. Daneben sehen wir japanische Touristen durchs Wasser blubbern. Wie Figuren aus einem Jules Verne-Buch sehen sie aus. In voller Kleidung (ja selbst Schuhen!) steigen sie an einer Leiter tief ins Wasser. Auf ihrem Kopf sitzt eine große Stahlhaube mit einem kleinen Bullauge vorm Gesicht. Da fühle ich mich in meinem Tauchanzug doch wohler...
Immerhin haben wir auch einen Guide, der sich hier auskennt. Die Sichtweite beträgt kaum mehr als 15 Meter. Irgendwo, wir sind bereits seit einer Weile getaucht und befinden uns in etwa 24 Metern, dreht sich Pete um und schreibt auf seine Platte: "I'm dead. Where's exit?"
Oha! Andreas und ich sehen uns durch unsere Taucherbrillen ratlos an. Ratlos zeige ich in eine Richtung, in der ich den Strand vermute. Pete schreibt auf die Platte "You're dead!". Andreas startet noch einen Versuch, "stirbt" aber auch. Dumm... man sollte sich beim Tauchen eigentlich nie komplett auf andere verlassen...
Ebenso mein Rescue-Training, wobei Pete einen Taucher simuliert, der keine Luft mehr hat. Er kommt auf Andreas zu und nimmt, wie abgesprochen, Luft aus seinem zweiten Atemgerät. Bei mir wird er gemein: Er kommt wie ein Blitz auf mich zugeschossen und reißt mir mein Atemgerät aus dem Mund. "He!", will ich schon sagen, und bin eine Sekunde lang versucht, ihm das Atemgerät wieder aus dem Mund zu reißen. Dann fällt mir erst der Grundsatz "First think, then act!" ein. Hmm... wenn ich ihm die Luft wieder wegnehme, könnte er in Panik geraten. Schließlich habe ich selbst noch mein zweites Atemgerät, aus dem ich atmen kann. Manchmal ist so ein Training schon sehr hilfreich. Es zeigt, dass man auf alles gefasst sein muss. In 20 Metern Tiefe darf man sich nicht um ein Atemgerät streiten und muss selbst in unerwarteten Situationen den anderen zur Ruhe bringen können. Man muss es nur irgendwie im Hinterkopf behalten.

Nach einem schönen Sonnenuntergang sind wir wieder zurück im Hotel und sehen fern: Neben der "Hurricane Watch" auf Fox News (über den auf New Orleans zuziehenden Hurricane Kathrina), läuft jetzt auch noch die "Typhoon Watch" auf dem lokalen TV-Sender. Taifun "Nabi" steuert von Osten auf Guam und die nördlichen Marianen zu...


Tag 18:
Rundfahrt (Auto), Taminung-Hagatna (Fahrrad)


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