Fishy, Fishy

Heute Abend geht unser Flug nach Guam. Doch bevor es soweit ist, möchten wir uns noch ein wenig koreanischer Hardcore-Kultur widmen: Dem Jagalchi Fischmarkt.
Zusammen mit Rorie und Nadja, die wir schon aus Busan kennen, nehmen wir ein Taxi zu besagtem Fischmarkt. Vor uns eröffnet sich ein riesiger Markt mit allem, was man dem Meer entnehmen konnte: Unzählige Fischarten, Oktopusse, Tintenfische, Seewürmer und vieles mehr. Die schon am frühen Morgen heiß brennende Sonne gibt dem fischigen Geruch noch die richtige Note.

Beim Anblick der verschiedenen Tierarten, läuft mir nicht gerade das Wasser im Munde zusammen. Rorie geht es ähnlich. Andreas lässt sich von einem netten Verkäufer einen Baby-Oktopuss auf die Hand setzen. Gerade, als ich ein Foto machen möchte, schreit Andreas "Der beißt! Der beißt!" und schlackert das festgebissene Tier in seiner Hand hin und her. Weichei... die Wunde ist für so ein kleines Tier trotzdem nicht von schlechten Eltern...
Nach zwei Minuten Grübelei sagt Andreas, dass er sich das nicht gefallen lassen kann: "Der hat mich gebissen!" Ergo: Andreas will zurückbeißen. Er ordert den "schuldigen" Oktopuss beim Verkäufer, wir nehmen am Tisch platz und kurze Zeit später windet sich der Oktopuss mit einem seiner Artgenossen im brutzelnden Fett. Ziemlich makaber...
Das ist nicht alles: Andreas und Nadja ist scheinbar das Wasser im Mund zusammengelaufen. Hinzu ordern sie noch einen dicken Seewurm und einen Seeigel. Der Verkäufer macht, wie ihm aufgetragen: Er zerschneidet den, sich windenden Seewurm der Länge nach in vier Teile, zerteilt den Seeigel in zwei Hälften und legt beide auf den Teller. Die Teile vom Seewurm bewegen sich noch kurz, während sich der Seeigel noch windet, nachdem die Hälfte seines Inhaltes bereits ausgelöffelt wurde. Nadja und Andreas haben ihre Freude; ich kann mich nicht überwinden. Tiere bei lebendigem Leibe essen?! Igitt! Rorie ist reichlich grün im Gesicht.


Vorher...

...Nachher

Nadja schmeckt's




Video: Seeigel (346 KB)

Beim Anblick der vielen Fischsorten wundert es, dass in den Meeren um Korea herum überhaupt noch etwas lebt. Die Japaner sind im Pro-Kopf-Verbrauch von Meeresfrüchten ja auch nicht gerade anders. Es macht wirklich den Eindruck, dass hier ALLES verkauft wird, was man in den Meeren noch findet. Unerfreulich genug: Auch Walfleisch und Haifischflossen. Nur Quallen konnte ich nicht entdecken.




Früh gelernt...

Es hilft alles nichts. Zwei Stunden später müssen wir aufbrechen. Widerwillig verabschieden wir uns von Busan, der netten Besitzerin des Blue Backpackers, Rorie und Nadja, schwingen uns auf unsere Räder, und fahren los. Andreas ist seit ein paar Tagen schon ganz aus dem Häuschen. Seine Freundin ist vor einer Woche schon mit einer anderen Freundin nach Guam geflogen. Er kann es gar nicht mehr erwarten. Die Telefonverbindungen nach Guam waren auch nicht gerade besser, als die nach Deutschland...
Ich blicke ein wenig wehmütig zurück nach Korea. Ich habe mich erst in den letzten Tagen auf dieses, trotz aller Technologie, so andere Land einstimmen können. Irgendwann werde ich sicher wiederkommen. Aber vorerst reizt mich ein Besuch im nördlichen Teil des Landes mehr. Die Unterschiede zum Süden Koreas müssen gigantisch sein. Das letzte stalinistische Land - von der Außenwelt abgeschottet - neben einem der modernsten Länder der Welt - wichtiger Exporteur auf dem Weltmarkt.


Auf dem Weg zum Flughafen

Wir fahren wieder mit der U-Bahn aus der Stadt heraus und schwingen uns für die letzten Kilometer zum Flughafen auf die Räder. Über verschiedene Autobahnen gelangen wir endlich zum Terminal. Das übliche Spiel beginnt wieder: Die Räder werden für die Reise präpariert. Alles wird auf das Two-Piece-System ausgeteilt. Die Pedalen werden abmontiert und der Lenker quergestellt. Wir bekommen zwei Flugtickets, die Kassenbons ähnlicher sehen.
Am Check-In beginnen dann die Probleme: "Sie möchten die Räder mitnehmen?"
"Ja, klar. Die sind doch auch angemeldet."
Nach einer Weile kommt ein Flughafenmitarbeiter mit einem Maßband an, vermisst die Räder und sagt uns unglaubliches: Das Liegerad darf mit, das andere nicht. Was?!?!?
"Dann sagen sie mir bitte einfach, wie groß das Rad sein darf. Vielleicht kann ich noch etwas abnehmen."
Verschüchtert zeigt er an eine Stelle auf halber Höhe meines Rahmens. Die haben doch ein Rad locker!
Sämtliche Hinweise darauf, dass die Räder mehrmals telefonisch bestätigt wurden und wir für den Weiterflug von Seoul nach Guam eine schriftliche Bestätigung haben, helfen nicht. Das Fahrrad sei zu groß.
Dann stellt sich heraus, dass wir mit einer 737 fliegen. Ein besseres Flugzeug zum Fahrradtransport gibt es kaum, da das Gepäck nicht in Containern transportiert wird, sondern einzeln in das Flugzeug gepackt wird. Etwas verlegen gibt man schließlich zu, dass das Röntgengerät im Flughafen nicht groß genug sei...

Nach einigem Hin- und Her nehmen wir mein Rad schließlich in die Hand und schleppen es mit einem Flughafenmitarbeiter zum Frachtterminal. Zwischen Luftfracht und Gabelstaplern stehen wir dann mit 10 Koreanern um mein Rad herum und diskutieren, wie wir das Rad in das Flugzeug bekommen. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie so etwas erst in Japan aussähe, da die Leute da noch penibler sein sollen.
Kurzfristig hat man die Idee, dass wir das Rad am Frachtterminal in Seoul abholen sollen. Dumm nur: Der Flughafen dort ist so groß, dass wir das alles während des Zwischenstopps nie schaffen würden. Man einigt sich also doch darauf, dass Rad irgendwie (!) mit zu nehmen. Vorher muss es aber noch verpackt werden. "Womit?" fragen wir auffordernd. Nach einer Weile hat man verschiedene Kartons zusammengetragen und ich versehe das Rad mit etwa 50 Meter "Checked Baggage"-Klebeband, bis ich endlich die Antwort bekomme, dass das so gerade reichen würde.
Zurück im Terminal geht Andreas dann mit meinem Rad in den Zollabfertigungsraum, während ich draußen auf das Handgepäck aufpasse. Ich sehe gerade einen kleinen Angestellten, wie er sich ohne jeden Schutz mit meinem Rad durch das Röntgengerät quetscht. Ob der jemals wieder Kinder zeugen wird?
Kurze Zeit später höre ich von drinnen Diskussionen. Andreas war für einen Moment dumm genug zu fragen, ob mit seinem Gepäck denn alles in Ordnung sei, und bekam die Antwort: "Nein, da ist eine Gasflasche in Ihrem Gepäck. Die müssen wir rausnehmen." Alles Diskutieren hilft nichts. Andreas darf das Teflon-Öl für seine teuere Fahrradkette nicht mit ins Flugzeug nehmen. Ungeachtet dessen, dass es auf dem Hinflug mitgenommen werden durfte. Die spinnen, die Koreaner!

Flugplan:
KE 1406 ab Busan 17:30h an Seoul-Incheon 18:30h
KE
805
ab Seoul-Incheon 20:30h an Guam (Ortszeit) 01:50h


Im Frachtterminal

Dann endlich sitzen wir mit unseren Rädern im Flugzeug. Die Flughafenmitarbeiter stehen starr winkend auf dem Vorfeld, während die Maschine an ihnen vorbeirollt. Mit einem Dröhnen geben die Triebwerke Schub und wir lösen uns vom Boden. Hohe Berge, leuchtende Reisfelder, überfüllte Straßen und graue Vorstädte ziehen unter uns vorbei. In weniger als einer Stunde werden wir im seelenlosen Flughafen Seoul-Incheon landen, von wo es weiter nach Guam geht. Lange beobachten wir die Landschaft unter uns vorbeiziehen und realisieren erst langsam, dass unsere Tage, in denen wir durch Korea radelten, ein Ende haben.
Auf Wiedersehen, Korea!


Tag 16:
Busan - Weiterflug nach Guam


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