Arme Angler und schöne Frauen

Wieder einmal verspricht der Morgen tolles Wetter. Wir verabreden uns mit Nadja und Rorie für Busan, demonstrieren dem Besitzer vom Hanjin noch einmal das Liegerad, und fahren los.
Den ganzen Tag lang wird es gen Süden gehen. Nach mehreren hundert Kilometern verlassen wir die Nationalstraße 7 und folgen, zumeist auf kleinen Nebenstrecken, der Nationalstraße 35. Nach einer Weile verläuft die Autobahn 1 parallel durch das Tal, so dass der Verkehr auf der Nationalstraße immer spärlicher wird. Überall wird gewerkelt und es werden neue Straßen gebaut. Bis hinter Onyang geht es immer mehr oder weniger steil und durchgehend bergauf, danach geht es bis nach Busan immer geradeaus oder leicht bergab. Eine wunderbare Etappe.


Lustige Baustellen


In Korea bieten selbst Angelruten Netzzugang

Zwei Kilometer südlich von Onyang verlassen wir die Hauptstraße und biegen auf eine kleine Bergstraße nach Westen ab. Immer steiler und steiler geht es bergauf. Wir passieren ein "Liebeshotel" nach dem anderen. Der Grund für unseren kleinen Abstecher scheint auch der Grund für die vielen "Liebeshotels" zu sein: Nach einer Weile haben wir einen Vergnügungspark für Kinder vor uns liegen. Doch wo sind die vielen Eltern? Sie gehen sicher ihrem eigenen Vergnügen nach...
Uns geht es weniger um den Vergnügungspark, als um die dahinter gelegene Amethyst-Höhle. Die Höhle selbst soll ein absolut lustiges Ensemble an bunten Comic-Statuen und anderen Kuriositäten enthalten. Etwas typisch koreanisch-kitschiges eben, wie schon die lustigen Baustellenschilder, die wir täglich sehen. Das ganze muss so kitschig aufgebaut sein, dass der Lonely Planet und andere "westliche" Reiseführer sich über diese, bei Koreanern sehr beliebte, Touristenattraktion ausschweigen.



Da natürlich niemand da ist, der Englisch spricht, kommt der Parkmanager an und verkauft uns Karten für eine Rundfahrt mit dem Motorboot, durch den gefluteten Teil der Höhle. Es scheint hier so selten westliche Touristen zu geben, dass er gar nicht von uns ablässt. Er passt auf die Räder auf, zeigt uns das Restaurant, fragt uns immer wieder nach unseren Wünschen und, und, und... Man fühlt sich jedenfalls sehr behütet...
Nach dem Essen gehen wir in den eigentlichen Teil der Höhle und finden ein kleines Disney-Land à la Koreana vor. Es gibt verschiedene Themenbereiche, wie die Egypt Hall, die Evolution Hall und viele andere, wie zum Beispiel die Sculpture Hall, welche für das männliche Geschlecht wohl am interessantesten ist.


Blick vom Motorboot auf den Ausgang der Höhle


Nett...


...hmm, naja...


...sehr nett! :-)

Nach dieser seeehr interessanten Höhle fahren wir weiter nach Busan. Es geht nun fast durchgehend leicht bergab und wir kommen gut voran. Je mehr wir uns Busan nähern, desto dichter wird der Verkehr. Bereits 20 Kilometer vor der Stadt finden wir uns schon auf einer dicht befahrenen vier- bis sechsspurigen Straße wieder. Und dabei ist noch gar keine Rush Hour.
Seitdem wir die höheren Lagen verlassen haben, wird auch die Luft immer wärmer. Zusammen mit den vielen Abgasen vermischt sie sich zu einer stinkenden Substanz, die man kaum noch einatmen möchte. Mir ist schlecht, als wir endlich die erste U-Bahn-Station erreichen. Es wird sicher einen Grund haben, dass sämtliche Moped-Fahrer einen Mundschutz auf haben.


Vorstadtverkehr

Mit der U-Bahn möchten wir die letzten 20 Kilometer in das Zentrum zurücklegen, die mit dem Fahrrad zu einer wahren Tortur ausgeartet wären. Die Stadt Busan ist keine in sich zusammen hängende Masse, sondern verteilt sich auf mehrere, zwischen hohen Bergen liegende, Täler. Ein direktes Zufahren, mit den Rädern, auf die Stadtmitte wäre also gar nicht möglich, ohne eine zusätzliche Tagesetappe einzuplanen. Und einen kompletten Tag in den hässlichen Vororten verbringen möchten wir nicht.
Die Mitnahme der Räder gestaltet sich sehr einfach: Nach Sekunden kommt schon ein Bahnmitarbeiter an, hilft uns bei der Bedienung des Fahrkartenautomaten und schließt uns ein kleines Nebentürchen auf, da wir mit den Rädern nicht durch die engen Fahrkarten-Entwerter kommen würden.


Ausstieg in Seo-Myeon

Das U-Bahnsystem ist zwar nicht für Räder geschaffen, aber es könnte schlimmer sein. Die größten Höhenunterschiede überwinden wir mit Behinderten-Aufzügen. Den Rest müssen wir wohl oder übel tragen. Trotzdem finden sich immer wieder ein paar freundliche Leute, die beim Tragen helfen.
Auf den riesigen Hauptstraßen und verwirrenden Gassen der Innenstadt, fällt es gar nicht so leicht unser Ziel zu finden. Wir versuchen eine ganze Weile lang das "Busan Blue Backpackers" zu finden, aber ohne Erfolg. Letztendlich gehe ich einfach ins TNT-Versandzentrum und frage die Leute dort im Büro. Die müssen es ja wissen... als Postbote hätte ich in Korea längst Selbstmord begangen. Aber auch sie wissen nicht wirklich, wo es zu finden ist. Dabei ist die Adresse so logisch: Building 106-#1802, Gyoung Apt, Beom-cheon, 2dong, Busan Jingu, Busan, Korea 614-760.


Wohin denn jetzt?

Doch dann finden wir es tatsächlich. Wir hätten nur nach oben gucken müssen: Dort steht auf einem dieser riesigen anonymen Wohnblöcke "106" geschrieben. Wir glauben, uns zu irren: Das soll das Busan Backpackers sein? Das Building 106 bietet, mit einigen anderen Bauten drum herum, ein von Mauern abgeschlossenes Wohngebiet. In dessen Zentrum sind Parkplätze und Spielplätze, wo die Eltern auf der Parkbank sitzen und sich über Gott und die Welt unterhalten. Man fühlt sich plötzlich wie in einem Dorf mitten in Busan.
Der Hof-Portier klingelt für uns bei Wohnung #1802 und nach einer Weile kommt eine pummelige Koreanerin aus dem Gebäude. Sie betreibt mit ihrem Freund das Busan Backpackers. Genauer: Sie haben mehr als die Hälfte ihrer 3-Zimmer-Wohnung mit Etagenbetten ausgestattet und betreiben hier ihr Hostel. Wirklich sehr, sehr einmalig! Wir können unsere Räder im 28 Stock im Treppenhaus anschließen (die Treppe benutzt in dieser Höhe sowieso niemand, wie man uns sagt) und belegen die beiden Sofas im Wohnzimmer. Die Etagenbetten sind schon ausgebucht.
Die Aussicht aus der Wohnung auf die Stadt und auf die, in der Ferne liegenden, Kräne des riesigen Hafens, ist einmalig. Wenn nur nicht direkt unterhalb die Güterzüge zum Hafen fahren würden. Klack-Klack! Klack-Klack! Klack-Klack!...


Tag 14:
Gyeongju - Busan


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