Gyeongju

Gyeongju ist eine der geschichtsträchtigsten Städte Koreas. Zu Zeiten Julius Caesars stieg sie zur Hauptstadt der Silla-Dynastie auf, die zeitweilig die gesamte koreanische Halbinsel beherrschte, und verlor diese Stellung erst etwa 1000 Jahre später. Während die eigentliche Stadtfläche des heutigen Gyeongju mit modernen Gebäuden und mehrspurigen Straßen versehen ist, findet man erst im historischen Zentrum das eigentliche Gyeongju. Mitten aus dem Stadtbild ragen plötzlich riesige, grasbewachsene Begräbnishügel. Sie entstanden etwa um das 4. 5. Jahrhundert herum, also zu der Zeit, als in Europa gerade die römische Zivilisation unterging.
Einer dieser Hügel wurde im 20. Jahrhundert zur Hälfte ausgehöhlt, und ermöglicht es dem Besucher, einen Querschnitt dieser Begräbnisstätte zu erhalten. In der Mitte des Hügels liegt der offen gelegte Sarg eines Königs mit dessen Überresten, während um ihn herum Ausgrabungsgegenstände zu finden sind.


Gyeongju vom Grab des General Kim Yu-sin aus gesehen


Grabhügel


Wir nutzen den freien Tag und fahren mit dem Bus in das etwa 20 Kilometer entfernte Bulguksa. Hoch über dem Ort liegt auf dem Gipfel des Tohamsan die wohl berühmteste Tempelanlage Koreas: Das Weltkulturerbe der Seokguram-Grotte. In ihrer Mitte befindet sich eine mehrere Meter hohe Buddha-Statue, die zu Zeiten ihrer Erbauung, im 4. Jahrhundert, wohl eine wahre Meisterleitung war. Die Statik der sie umgebenden Kuppel erforderte komplexe Berechnungen, unter anderem auch den Satz des Pythagoras. Als Baumaterial mussten schwere Granitblöcke auf den 740 Meter hohen Tohamsan gewuchtet werden. Und das zu einer Zeit, als der Zugang zu diesem Gipfel nicht mehr als ein kleiner Pfad war.
Wir haben es da heute einfacher, auch wenn wir den Bus zum Gipfel verpasst haben. Eine nette koreanische Familie, die aus Frankreich zu Besuch ist, nimmt uns mit ihrem Auto mit auf den Gipfel. In unzähligen Serpentinen geht es steil bergauf, bis wir nur noch wenige Meter weit sehen können. Der Gipfel hüllt sich, an einem verregneten Tag wie heute, in Wolken. Über einen längeren Fußweg erreichen wir die Seokguram-Grotte. Faszinierend, dass viele Koreaner den Besuch des Tempels mit einem Gebet verbinden. Man nimmt die Religion also recht ernst, auch wenn man gerade Tourist ist. Seltsam auch deshalb, da die meisten Koreaner heutzutage Christen sind.


Man ist sauber: Händewaschen vor dem Eintreten in einen großen Tempel gehört zum guten Ton


Seokguram-Grotte

Im Bus fahren wir zurück nach Gyeongju. Mit dabei sind Rorie aus Großbritannien und Nadja aus Deutschland. Rorie macht gerade eine Weltreise und wird in ein paar Tagen weiter nach Hong Kong fliegen, um "noch kleinere Menschen, als die Koreaner" kennen zu lernen, wie er sagt. Nadjas eigentliches Reiseziel ist die Mongolei, doch wie wir, hat sie den Zwischenstopp hier in Korea "etwas" ausgedehnt.
Es wird bereits dunkel, als Andreas und ich an einem der Busstopps spontan aus dem Bus springen. An der Haltestelle liegt ein riesiger Markt, der sich in die Nebenstraßen und Gassen verzweigt. Überall sehen wir Nahrungsmittel, die entweder sehr rot (scharf!) oder - ähem - ungenießbar aussehen. Aber die Geschmäcker scheinen ja verschieden zu sein. Ein paar Kleinigkeiten probieren wir trotzdem und sind überrascht, was es hier für leckere Sachen gibt. Die koreanische Küche scheint noch um einiges vielfältiger zu sein, als man es in den Restaurants sieht. Man weiß zwar nicht immer was einem die netten Verkäuferinnen da zum Probieren geben, aber von einigen Sachen können wir gar nicht genug bekommen. Jedenfalls verlassen wir den Markt gut gesättigt.











Am Abend planen wir noch für die nächsten Tage. Wir sind uns nicht ganz sicher, wie es nun weitergehen soll. In 3 Tagen fliegen wir von Busan über Seoul weiter nach Guam. Sollen wir zwei Tage in Busan bleiben oder einen Abstecher nach Japan machen? Die nahe der koreanischen Küste gelegenen Inseln des japanischen Nationalparks Iku-Tzushima reizen uns. Doch angesichts der Preise von rund 120 Euro für die kurze Fährfahrt schlagen wir uns diese Idee aus dem Kopf. Während die Preise in Korea etwa 20% niedriger, als in Deutschland sind, ist Japan unglaublich teuer.


Tag 13:
Gyeongju und Umgebung


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