Zurück in der Zivilisation...

Am Morgen schwingen wir uns wieder auf die Räder und fahren gen Pohang. Endlich wieder eine große Stadt, endlich wieder Internet, nachdem kein Telefon die Verbindung ermöglichen konnte. Endlich wieder Bargeld! Wir werden sehen...
Wir wählen die etwas längere Küstenstraße und haben wieder mit einigen Anstiegen zu kämpfen. Zu allem Überfluss ist es mir auch noch schlecht und ich fahre zeitweise nur noch Schlangenlinien. Frage ist jetzt nur, ob das Essen oder die "Gute Luft" gestern Schuld waren. Doch die Hektik, die bei der Einfahrt in Pohang aufkommt, überdeckt wieder alles und sobald wir Pohang verlassen, wird wieder alles vergessen und überstanden sein.


Individuelles Wohnen?

Vorbei an Ölraffinerien, und anderen Industrieanlagen, nähern wir uns der Innenstadt. Alles wird immer wuseliger und unübersichtlicher, so dass das Auffinden der Foreign Exchange Bank gar nicht so leicht fällt, wie gedacht. Als wir sie endlich erreicht haben, passt Andreas auf die Räder auf und ich gehe mit meiner EC-Karte zum Geldautomaten.
Schwups, wird die Karte eingeschoben und... warten... warten... warten... nichts! Die Karte bleibt drin und zahlreiche Hangul-Schriftzeichen auf dem Bildschirm sagen mir... nichts! Inzwischen möchte ich nur noch allen koreanischen Bankangestellten den Hals umdrehen! Grummel... So muss also Andreas die Räder unbeaufsichtigt stehen lassen, während ich auf meine EC-Karte aufpasse...
Nach kurzer Zeit kommt eine Bankangestellte mit meiner Karte in ihrer Hand und führt mich zu einem anderen Automaten. Wenn es jetzt nicht funktioniert, kann ich für nichts mehr garantieren... Sie hat Glück. Der andere Automat spuckt tatsächlich Geld, eine Quittung und meine EC-Karte aus. Nachdem wir in den letzten Tagen rund 10 Quittungen mit koreanischen Fehlermeldungen gesammelt haben, fühle ich mich jetzt, als wenn ich etwas Unglaubliches vollbracht hätte: Ich habe Geld von einem Geldautomaten abgehoben!

Nach einem kurzen Besuch im Internet-Café machen wir uns wieder auf den Weg und verlassen Pohang. Unser Tagesziel ist die historische Stadt Gyeongju. Dort wollen wir einen Ruhetag einlegen, bevor wir die letzte Etappe nach Busan radeln.
Allerdings sind wir gezwungen, die Autobahn nach Gyeongju zu nehmen. Sie bietet uns den einzigen Weg durch die, zwischen Pohang und Gyeongju liegenden, Berge. Auf dem Seitenstreifen der Autobahn liegen wieder viele Schrauben, Metallteile und Glasscherben, so dass es nach einer Weile erneut Andreas trifft und wir eine Reparaturpause machen müssen.
Je näher wir Gyeongju kommen, desto dunkler wird der Himmel und schließlich beginnt es zu regnen. Es sind nur noch wenige Kilometer bis zum Ziel und wir möchten uns jetzt keine Regensachen mehr anziehen. Es prasselt nur so. Vollkommen durchnässt kommen wir an unserem Ziel an. Dumm nur, dass die besagte Herberge inzwischen leider zu einem Jugendheim umfunktioniert wurde. Vor Kälte frierend erreichen wird endlich das Hanjin Hostel.



Der ältere Besitzer wirkt ein wenig lustig-verwirrt und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, als wir mit unseren nassen Klamotten in seine Bude stapfen. Immerhin spricht er für koreanische Verhältnisse ein durchaus gutes Englisch. Wir dürfen unsere Räder im Innenhof neben 20 Fernsehern (?) abstellen und bekommen ein kleines Zimmerchen mit dem Flair einer Gefängniszelle.
Doch das stört uns jetzt nicht mehr. Endlich treffen wir wieder auf Menschen, mit denen wir uns unterhalten können. Das Hanjin ist eine der wenigen Backpacker-Unterkünfte in Korea, für die wenigen Backpacker, die dieses Land bereisen. Dazu gehört zum Beispiel ein lustiger alter Belgier, mit dem Andreas sich auf Französisch und ich auf Spanisch unterhalte. Herrje, ist das erholsam! Ich freue mich in diesem Land sogar, wenn ich mal wieder Spanisch sprechen darf! Und wie es so ist, treffen wir hier auch Leute aus der Backpacker-Herberge in Seoul. Sie berichten uns davon, dass sie nie Probleme mit EC-Karten gehabt hätten... Wo waren wir da nur mit unseren Rädern?


Tag 12:
Bogyeongsa - Gyeongju


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