Kamikaze-Eichhörchen

Missmutig beginnen wir am Morgen unsere Sachen zu packen. Die Wolken draußen hängen tief im Tal. Unsere unerwartet späte Ankunft in Osaek hat alle Pläne für den Nationalpark über den Haufen geworfen und unser Zeitplan zwingt uns zum Weiterfahren. Alles, was uns heute bevorsteht, sind ein paar Bergstraßen und dann über 100km Autobahn entlang der Küste. Angesichts dessen - wir sind schon fast mit dem Packen fertig - entscheiden wir uns, zu bleiben. Wir überwinden unseren Radfahrer-Stolz und entschließen uns, morgen dieses hässliche Teilstück mit dem Bus zu überbrücken.


Osaek

Die Wolken hängen noch tief im Tal, als wir mit der Wanderung beginnen. Wir möchten von Osaek zu Fuß den 1708 Meter hohen Daecheonbong besteigen: Den höchsten Berg Koreas. Gemessen daran, dass Osaek auf etwa 700 Metern liegt, dürfte es gar nicht so weit sein. Auch wenn der Berg selbst aus dem Tal nicht zu sehen ist.
Der holprige Pfad geht durch dichte Wälder, immer steiler und steiler bergauf. Nach kurzer Zeit befinden wir uns schon auf einem Grat und neben uns geht es steil in die Tiefe. Überall sind wir von grünem Dickicht umgeben.

Im Seoraksan leben einige vom Aussterben bedrohte Tierarten. Dazu zählen der Asiatische Schwarzbär, der Amur-Steinbock, das hier endemische Sibirische Flughörnchen und die Mandschurische Forelle. Die Chipmunks dagegen gibt es hier im Überfluss. Sie wirken ein wenig wie eine Mischung aus Eichhörnchen und Hamster und zeigen kaum Scheu. Immer wieder halten sie Ausschau nach Essbarem und albern uns zwischen den Füßen herum. Kamikaze-Eichhörnchen...


Chipmunks

Wir sind nicht die einzigen im Nationalpark. Trotz des feuchten Wetters überholen uns immer wieder Paare und Familien auf Wanderschaft. Sportlich und mit kleinen Rucksäcken auf dem Rücken, ziehen selbst die Kleinen in einem beachtlichen Tempo an uns vorbei. Und das, obwohl es oftmals so steil ist, dass man sich an vorsorglich befestigten Seilen nach oben ziehen muss. Stolz studieren wir unseren Koreanischen Wortschatz ein. 30 "Annyeong-haseyo" () später sprechen wir die Begrüßung im Vorbeigehen sicher so gut, dass man uns für echte Koreaner halten könnte - wenn wir nicht ein wenig anders aussehen würden...
Während einer Pause laufen dann plötzlich zwei weitere Langnasen, oder "Gin-Ko's" (wie uns ein Koreaner zuvor erklärt hat), an uns vorbei. Es ist ein Pärchen aus den USA: Ein Englischlehrer mit seiner Freundin. Abgesehen von ein paar Studenten und den zahlreichen Englischlehrern scheint es in Korea kaum westlichen Tourismus zu geben. Wozu wir auch bezweifeln, dass die Englischlehrer mit Ihrem Unterricht in diesem Land je etwas bewirken können...



Laut Lonely Planet sollen es bis zum Gipfel nur 4 Stunden Fußweg sein. Vier Stunden später blicken wir frustriert auf ein Schild, welches uns niederschmetternd beweist, dass wir nicht einmal die Hälfte des steilen Anstieges geschafft haben. Langsam beginnt es zu regnen und der Weg wird immer feuchter und rutschiger.
Es hat keinen Sinn. Es wird nicht mehr lange dauern, bis es dämmert und die Wege werden immer rutschiger. Wir müssen umkehren. Zu allem Überfluss rutscht Andreas an einem der Kletterseite aus und verknackst sich dabei den Fuß und einen Zeigefinger, der in den nächsten Tagen verdächtig stark anschwillt.


Man geht mit der Zeit: Koreanische Gebetsfahnen sind aus Kunststoff


Mit unseren erfolglosen Versuchen, eine Auslandsverbindung aufzubauen, überlasten wir viele koreanische Telefone...

Tag 8:
Seoraksan National Park


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