Almhütten im Seoraksan-Nationalpark

Heute wollen wir nur die letzten 30-40 Kilometer bis Osaek im Seoraksan-Nationalpark bewältigen. Kaum, dass wir Inje verlassen haben, stellt sich ein Wetter ein, welches uns den ganzen Tag begleiten wird: Starker bis mittelstarker Regen.
Um der Autobahn auszuweichen, versuchen wir, einen Weg auf der anderen Seite des Flusses zu finden. Erst gelingt uns das ganz gut. Über kleine Wirtschaftswege fahren wir durch die regennassen Felder, bis wir nur noch einen holperigen Feldweg unter uns haben. Andreas hat seine Mühe mit seinem Liegerad den vielen rutschigen Steinen auszuweichen. Dann: Eine Sackgasse.
Wir müssen wohl oder übel das letzte Stück bis zur Autobahn zurückfahren.


Sackgasse

Um den Weg etwas abzukürzen, fahren wir nicht bis zur, mehrere Kilometer, entfernten Autobahn, sondern hieven unser Gepäck und die Räder kurzerhand über die Leitplanke auf die Autobahn. Alles ist mies: Während Andreas einen platten Reifen repariert, stehe ich still da und zähle die Regentropfen, die mir über die Nasenspitze kullern. Ich bin innen und außen durchnässt - die Jacke bietet nur noch einen schwachen Windschutz.

Sobald sich die Fernstraße 46 nach Norden hin abwendet, wird auch die von uns befahrene Fernstraße 44 schmaler. Früher als erwartet beginnt der Anstieg zum fast 1000 Meter hoch gelegenen Hangyeryeong-Pass, welchen wir auf dem Weg nach Osaek noch überqueren müssen. Der Verkehr wird schwächer. Der Wald wir immer dichter und hier und da überqueren wir rauschende Gebirgsbäche. Kaum auszudenken, was wir hier alles hätten sehen können, wenn uns Regen und Nebel nicht die Sicht versperrt hätten.
Wir sind durchnässt, schwitzen, und je höher wir kommen, desto steiler wird der Anstieg und umso kälter die Luft. Nachdem wir uns nur noch stinkige Kommentare an den Kopf werfen, trennen wir uns wieder und ich warte oben auf Andreas. Der Anstieg wollte kein Ende nehmen - er war bedeutend höher, als erwartet. Hinter jeder Kurve und jeder Nebelwand kam plötzlich eine noch steiler ansteigende Strecke zum Vorschein.
Oben auf dem Gipfel herrscht Alpen-Atmosphäre. Offensichtlich inspiriert von ihren Europa-Reisen, haben die Koreaner hier eine hölzerne Almhütte mit riesigem Parkplatz hingestellt. Man könnte glatt annehmen, dass man sich auf dem Großglockner befindet. Die netten Mädels im Restaurant frischen unsere Laune wieder ein wenig auf und wir beginnen langsam sogar uns in abgehackt wirkenden Phrasen auf Koreanisch verständlich zu machen. Über unseren Köpfen hängt ein großes Plakat mit den bayerischen Nationalfarben und einer vollbusig-blonden Schönheit mit zwei Maß Bier in den Händen: Erdinger Weißbier.


Abfahrt

Von hier aus rollen wir jetzt nur noch bergab bis Osaek. Unser Reiseführer hat uns gewarnt: In der Hauptsaison verdoppeln sich die Preise, auf den Berstraßen findet man kaum noch Platz für das eigene Fahrzeug und, noch viel schlimmer als sonst sowieso, soll es an den Wochenenden in der Hauptsaison ein.
Wir fahren sowohl am Wochenende, als auch in der Hauptsaison, doch der Regen kommt uns zu Gute. Was wir bei unserer Einfahrt in Osaek sehen, verwundert uns: Vor den Hotels sitzen die Besitzer unter kleinen Regenschirmen und versuchen potentielle Kunden in Ihr Hotel zu komplimentieren. Wir lassen uns von einem freundlichen Herrn in sein Hotel führen und sind verwundert: Es ist später Nachmittag und trotzdem sind wir die einzigen Gäste in einem Hotel mit rund 50 Betten. Dieses Wochenende ist das Tourismusgeschäft regelrecht ins Wasser gefallen. Wie bekommen sogar einen Rabatt, der noch unter dem Preis der Nebensaison liegt. Man sollte also nicht immer alles für voll nehmen, was in Reiseführern steht.


Fertig mit den Nerven... Zapp! Aus!

Koreanische Küche
In Korea isst man Hunde: Das ist wohl das Erste, was viele Menschen mit Korea verbinden. So ganz stimmt das nicht. Schließlich isst man in Korea sicher so selten Hunde, als Franzosen Froschschenkel knabbern und noch weniger, als die Deutschen Sauerkraut schlürfen. Die koreanische Küche erscheint auf den ersten Blick recht einseitig: In der Regel gibt es immer sehr, sehr viel gekochtes oder gebratenes Gemüse zusammen mit Nudeln oder Reis. Dazu mischt man dann noch einige Spezialitäten, wie zum Beispiel Schweinefleisch. Kleine Oktopus-Ärmchen, scheinen zu Nudeln zu gehören, wie die Tomatensoße zu italienischen Spaghetti (auf die kulinarischen Besonderheiten der Seafood-Küche kommen wir in Busan noch einmal zurück...)


Das Essen selbst wird meistens am eigenen Tisch zubereitet. Die Bedienung dreht das Gas auf, kippt Öl in die im Tisch montierte Wok-Pfanne und bringt nach und nach die Zutaten heran. Diese sind selbst in einfachen Restaurants auf etwa 10 verschiedene Schälchen verschiedener Gänge verteilt. Das Essen wird also nahezu zelebriert. Immer wieder kommt die Bedienung vorbei, um das Fleisch mit einer Schere klein zu schneiden und um bei der Zubereitung zu helfen.


Das so weit, so gut. Doch vor einem sollte man gewarnt sein! Koreanisches Essen ist scharf. Und zwar wirklich scharf. Hiermit meine ich keine Tortilla-Chips, auf deren Verpackung "Extra Hot" steht, sondern eine Schärfe, die einem - sollte man die Sinne der Zunge abschalten und alles runterschlucken können - den Magen umdrehen kann!
Roter Chili wird nicht als Gewürz, sondern als einfaches Gemüse verwendet. Also in, uns kaum verträglich, großen Mengen. Korea hat den weltweit höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Chili-Schoten.
Damit nicht genug. Versteckt unter dem Spiegelei oder anderen Gerichten warten noch weitere Gemeinheiten: Eine rote Soße, die alles noch einmal mindestens doppelt so scharf macht: Die koreanische Pfeffersoße.


Angeblich können Asiaten dadurch, dass sie diese Schärfe von Geburt an gewohnt sind, verschiedene Geschmacksrichtungen in der Schärfe wahrnehmen, welche Außenstehende niemals wahrnehmen könnten. Für den normalsterblichen Nicht-Asiaten ist koreanisches Essen einfach extrem scharf. Vergiss deine Vorstellungen, die Du beim heimischen China-Restaurant oder auf dem Thailand-Trip gemacht hast! Koreanisches Essen ist noch einmal ganz anders!



Tag 7:
Inje - Osaek


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