Ankunft

Da wir direkt nach Osten fliegen, dauert die Nacht gerade einmal drei Stunden. Schade ist, dass es auf der Strecke durchweg bewölkt ist, und man keinen Blick auf Russland, die Mongolei und China erhaschen kann. Wir überfliegen Ulan Bator und Beijing und nähern uns dann Incheon, dem internationalen Flughafen von Seoul.


Verteilen der Immigration Forms an Nicht-Koreaner

Der neue Flughafen hat erst vor kurzem den näher an der Innenstadt gelegenen Flughafen Gimpho abgelöst, nachdem er im Rahmen eines Mammut-Projektes zwischen zwei Inseln aus dem Meeresboden gestampft wurde. Bedingt durch seine Insellage ist er nur über eine Autobahn-Brücke erreichbar, welche leider nicht für Radfahrer benutzbar ist. Incheon ist eine eigene Stadt mit Rund 2,5 Millionen Einwohnern. Kaum vorstellbar: Diese Stadt mit mehr Einwohnern, als Hamburg, stellt doch nur eine 25km entfernte "Vorstadt" des rund 10 Millionen Einwohner zählenden Seouls dar.


Erster Eindruck von Korea: Die Hafenstadt Incheon

Beim Anflug löst sich die Wolkendecke langsam auf und wir können einen ersten Blick auf die koreanische Küste erhaschen. Wir sehen Schiffe, Ölbohrinseln, auf künstlichen Inseln errichtete Trabantenstädte und weite Ebenen matschigen Wattenmeers.
Dann - endlich - setzen die Reifen auf koreanischem Boden auf. Die Reise kann beginnen!

Wieder einmal zeigen sich die Mitarbeiter von Korean Air sehr hilfsbereit. Dabei habe ich angesichts des gezahlten Flugpreises schon fast ein schlechtes Gewissen. Sie helfen uns bei der Gepäckkontrolle im Zoll und innerhalb kürzester Zeit sind wir im Land.
Die ersten beiden Tage möchten wir zur Eingewöhnung im Backpackers Hostel in Seoul verbringen. Dabei stehen wir nun vor dem ersten Problem: Wir müssen einen Bus finden, welcher uns und die Räder über die Autobahn in diese gigantische Stadt fährt. Alles kein Problem - bis dem Busfahrer einfällt, dass er an unserer Haltestelle aufgrund des Nationalfeiertages am folgenden Tag nicht halten kann - so zumindest die Übersetzung einer Stewardess. Wir müssen also an einer anderen Haltestelle aussteigen. Während unserer Fahrt bekommen wir einen ersten Eindruck von der Gegend. Liebliche Vorstädte und Wälder gibt es nicht. Die einzigen unbebauten Flächen sind einige aus der Ebene ragende spitze Berge. Sonst überall Trabantenstädte mit nummerierten Wohnblöcken - dazwischen hier und da ein paar Reisfelder.

Wie immer fällt es schwer, die vielen Eindrücke nach der Ankunft in einem neuen Land in wenige Worte oder Fotos zu fassen. Da wären zum Beispiel der typische Geruch nach asiatischem Essen kurz nach Verlassen des Flugzeuges, die lustigen Bildtelefone am Flughafen und natürlich die vielen koreanischen Schriftzeichen. Haben wir die nicht gestern erst gelernt? Wir kommen uns vor wie Analphabeten...


Der beste Freund des Koreaners: Beton

Irgendwie habe ich mir Seoul sauberer und geordneter vorgestellt - irgendwie japanisch eben. Die Realität ist ein pures Chaos kreuz und quer laufender Straßen und Gassen mit Marktständen dazwischen, über deren Dächern konfus verwickelte Stromleitungen verlaufen. Irgendwo an einer solchen Stelle werden wir vom Bus abgesetzt.
Es ist rund 35C heiß. Die rund 90% Luftfeuchtigkeit sorgen dafür, dass wir uns wie in einem heißen Bad fühlen. Schon nach kurzer Zeit beginnen wir zu schwitzen. Unter den interessierten Blicken einiger Koreaner - besonders wegen Andreas' unglaublichen Fahrrades - präparieren wir unsere Räder so, dass wir sie zumindest wieder schieben können. Gar nicht so einfach, aber nach einer schweißtreibenden Suche haben wir das Seoul Backpackers Hostel in einer Nebenstraße gefunden. Uns erwartet ein leicht schimmeliges Zimmer in einem, verglichen mit Thailand oder anderen Backpacker-Destinationen, ziemlich seltsamen Hostel. Das merkt man alleine schon am Preis: Stattliche 30 Euro sind für ein schimmeliges Doppelzimmer mit Bad zu zahlen. Doch nachdem wir die Aircondition hinter einer Gardine gefunden haben, ist uns alles egal...


U-Bahn von Seoul

Nachdem wir uns per Internet daheim gemeldet haben, versuchen wir uns einen Durchblick durch das U-Bahn-System zu verschaffen. Wir kommen zwar kurz vor unserem Ziel heraus, finden aber keinen Weg für Fußgänger zum nur 200m entfernten 63th Building mit seinem Aussichtspunkt. Wir erkunden also spontan die Gegend um die Bahnstation Noryangjin und entdecken hier ein quirliges Viertel mit vielen kleinen Läden und Restaurants.
Wir haben Hunger, doch bedingt durch die große Auswahl fällt die Wahl nicht schwer: Unter den unzähligen Restaurants entdecken wir nur eines, in dem die Speisekarte auch auf Englisch ist. Wir bemerken schnell, dass die vermeintliche "Weltsprache" Englisch in Korea kaum geläufig ist. Englisch wird zwar durchweg in den Schulen gelehrt - allerdings mehr im Rahmen einer "toten Sprache", wie Latein. Das Hand -in -Hand Lernen von gesprochenem und geschriebenen Text ist unbekannt. So sind die Schüler nach mehreren Jahren Englisch-Unterricht zwar in der Lage, englische Texte zu übersetzen, bringen aber nach der Schule kein einziges Wort Englisch über die Lippen.


Noryangjin

Inzwischen ist es dunkel geworden und wir sind erschöpft. Eine kaum geschlafene Nacht und ein um 7 Stunden längerer Tag machen sich bemerkbar. Sobald wir die Bahnfahrt zurück zum Hostel gemeistert haben, lassen wir uns todmüde in die Betten fallen und schlafen binnen Sekunden ein. Gelobt sei die Klimaanlage...

Tag 2:
Flug nach Seoul/Incheon - Seoul (Bus)


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