Outdoor-Sex und scharfes Essen

Unser Flug geht erst heute Abend, und so haben wir noch etwas Zeit, um als Touristen durch Frankfurt zu streifen und letzte Besorgungen für die Reise zu machen. Zu unseren Besorgungen gehört massenweise Salz (ich bin der frohen Hoffnung, dass man die Schärfe der asiatischen Mahlzeiten damit überdecken kann, was leider nicht funktionieren wird, wie sich später zeigen wird...)
Komisch: Jedes Mal, wenn ich in Frankfurt bin, scheint die Sonne vom wunderbar blauem Himmel herab. Sollte ich vielleicht mal den Wohnort wechseln?


Frankfurt City


Shopping bei Globetrotter...

Gegen Mittag packen wir unsere Räder und machen uns auf den Weg zum Flughafen. Erst geht es immer am Südufer des Mains entlang, dann schlagen wir uns durch kleine Ortschaften und Wälder zum Flughafen durch. Wieder einmal zeigt sich, dass eine Anreise per Rad zum Flughafen kein Problem darstellt. Es ist zwar im ganzen Wald kein einziger Wegweiser zum Flughafen zu finden, aber wenn man ab einem gewissen Mainkilometer immer nach Süden fährt, kann gar nichts schief gehen. Der Flughafen ist groß genug.
Andreas ist heute extrem langsam unterwegs. Ich hoffe, dass sich seine Kondition in den nächsten Tagen etwas verbessern wird. Im Gegensatz zu mir ist er übrigens ein Verfechter des Liegerad-Fahrens. Ich fahre lieber "aufrecht", doch mit seinem speziellen Untersatz wird er in Korea erheblich mehr Aufsehen erwecken, als ich mit meinem popeligen "Normalo-Fahrrad" mit Gepäck drauf.


Two-Piece-Konzept

Im Flughafen beginnt das übliche Spiel für Langstreckenflüge von neuem: Unsere Räder sind im Rahmen des Two-Piece-Konzeptes für den Flug zugelassen, also zwei Gepäckstücke à 32kg. Eigentlich ist das auf Korean Air-Flügen nicht erlaubt, allerdings konnten wir unsere Reise im weitesten Sinne als eine Reise in die USA auslegen, da Guam mehr oder weniger zu den USA gehört. Auf USA-Flügen sind 3x32kg zugelassen.
Wir packen also unsere Fahrradtaschen in einen extrem praktischen großen Laubsack aus dem Baumarkt. Daraus ergibt sich das erste Gepäckstück. Das zweite Gepäckstück ist das Fahrrad selbst.
Beim Check-In ernte ich einen eiskalten Blick von der Flughafenangestellten. Irgendwas scheint mit den auf dem Ticket angegebenen Preisen nicht zu stimmen. Für eine Sekunde rutscht mein Herz in die Hose. Sollte nun doch noch etwas schief gehen?
Dann aber bekommen wir die Bordkarten. Die Tickets sind gültig! Wir müssen noch kurz unterschreiben, dass wir durch etwaige Schäden an den Rädern Korean Air nicht zur Rechenschaft ziehen werden. Allerdings ist das Personal von Korean Air dermaßen zuvorkommend, dass wir kaum Bedenken haben.

Vorm Check-In treffe ich noch zwei ältere Radreisende, die mit ihren Rädern nach Aserbaidschan fliegen wollen. Ich beneide sie schon - da fällt mir ein, dass wir ja nach Korea fliegen. Hoffentlich wird es dort wirklich schön sein. Bis jetzt wissen wir nur von einem extrem hochtechnisierten und überbevölkerten Land, in dem Radreisen so gut wie gar nicht stattfinden. Dagegen ist Aserbaidschan hinsichtlich Radreisender schon fast "überbevölkert"...

Das Flugzeug ist voll mit Koreanern. Die wenigen "Gringos" hier könnte man an einer Hand abzählen. Und das in einem voll besetzten Jumbo! Andreas unterhält sich mit einem Briten, der sein Cello dabei hat. Er hat vom Konzertveranstalter in der ersten Klasse einen zweiten Sitzplatz nur für sein Chello reservieren lassen. Ob man das wohl auch mit Rädern machen könnte?


Weltreisende...

Etwa eine Stunde nach dem Abflug gilt es die erste Bewährungsprobe in koreanischer Küche zu überstehen. Es gibt Kimchi: Reis mit verschiedenen Gemüsesorten, die wir in Deutschland bis heute in keinem Asia-Laden oder Restaurant gesehen habe. Das einzige, was wir als solches erkennen können, sind das Seegras und Chilischoten. Dem liegt eine 20ml-Tube mit "Hot Korean Pepper Paste" anbei. Der nette Herr neben mir drückt sie emotionslos über seinem Reis aus und wundert sich dann, dass ich die Tube nur zaghaft andrücke. "Einfach rein damit und umrühren", gibt er uns zu verstehen. Er futtert seine Schale binnen kürzester Zeit leer, während mir schon nach den ersten zwei Löffeln der Schweiß aus dem Poren tritt... Oh mein Gott, oh mein Gott! Hoffentlich gibt es in Korea auch weniger scharfes Essen!

Nachdem das überstanden ist, gibt uns unser Sitznachbar noch einige weitere Empfehlungen zu koreanischem Essen und erweitert unseren, seiner Meinung nach, "bei weitem unvollständigen" Reiseführer um ein paar Begriffe. Etwas verlegen frage ich nach Hund, und befürchte schon die gleiche Reaktion, wie die eines Deutschen, den man nach Hitler fragt:
"Neineinnein, kein Problem. Nach Hund müsst ihr nur fragen. Schmeckt wie Schwein".
Andreas ist wie immer etwas direkter und fragt: "Was ist denn mit den Hunden, die ihr euch als Haustiere haltet?".
"Das sind ja nur die kleinen. Die zum Essen sind spezielle, große Rassen."
In diesem Moment sind wir gerade über Moskau. Mit der Geschwindigkeit einer Kanonenkugel nähern wir uns einem Land, in dem man mit Handys Bildtelefonie betreiben kann, während man nebenbei Hundeschenkel futtert. Oder vielleicht doch ein komplett falsches Bild von Korea? Wir werden sehen... - Wuff! -

Flugplan:
KE 906 ab Frankfurt 19:10h an Seoul-Incheon (Ortszeit) 13:00h

Tag 1:
Frankfurt - Flughafen - Flug nach Seoul


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